Folgeerkrankungen der Alkoholkrankheit (nach Beginn der Abstinenz zunächst bleibend),

die bei der Sozialtherapie in Linstow bestehen können:

Polyneuropathie:
  • Definition: Schädigung der Nervenbahnen des peripheren Nervensystems
  • Beschwerden: Schmerzen, Kribbeln in den Füßen und Unterschenkeln, v. a. Wadenkrämpfe, Gefühlsstörungen und Schwäche in den Beinen, Störung des Lagesinns, Muskelschwund. Es kann eine Unsicherheit beim Gehen hinzukommen, die bis zur Rollstuhlpflichtigkeit führen kann. Weitere Symptome sind Haut- und Nagelveränderungen sowie Potenzstörungen.
  • Ursachen: Direkte Giftwirkung von Alkoholabbauprodukten und Fehlernährung (Vitamin-B-Mangel)
  • Medizinische Behandlung: Alkoholabstinenz und die Gabe von B-Vitaminen im. oder iv.
  • Verlauf: Bei Karenz können sich auch schwere Nervenschäden innerhalb von Wochen und Monaten zurückbilden.
Schädigung des Kleinhirns:

  • Tremor, wie er insbes. anfangs im Alkoholentzug auftritt, kann chronisch werden. Er ist dann häufig mit einer Schädigung des Kleinhirns verknüpft (Kleinhirnatrophie = Nervenzelluntergang im Kleinhirn) mit folgenden weiteren Beschwerden: Koordinationsstörung mit Stand- und Gangunsicherheit, Tremor von Händen, Armen und manchmal auch des Kopfes, verwaschenes Sprechen.
  • Ursachen: Giftwirkung des Alkohols und seiner Abbauprodukte. Kein Zusammenhang mit der Dosis.
  • Behandlung: Alkoholkarenz. Krankengymnastik.
  • Verlauf: Auch die Kleinhirnatrophie kann sich bei einem Teil der Betroffenen vollständig zurückbilden, bei einem weiteren Teil bessern.

Hirnrindenatrophie

Definition: Volumen- und Gewichtsminderung
Die häufigste Ursache für eine Hirnvolumen- und Gewichtsminderung im jüngeren bis mittleren Lebensalter ist der chronische Alkoholismus. Interessanterweise kann sie sich bei Abstinenz vollständig zurückbilden, Die Ursache ist umstritten. Mangelernährung und Hormonstörungen werden vermutet. Ähnliche Hirnsubstanzminderungen lassen sich z.B. bei Magersucht nachweisen. Es gibt keinen direkten Zusammenhang zwischen dem Ausmaß der computertomografisch nachweisbaren Hirnatrophie und Hirnfunktionsstörungen.

Neuropsychologische Defizite bei Alkoholkranken

Bei Alkoholkranken findet sich eine Vielzahl von neuropsychologischen Defiziten, z. B. in den Bereichen Aufmerksamkeit und Konzentration, Gedächtnis, Lernfähigkeit, räumliches Vorstellungsvermögen, Zeitwahrnehmung, Problemlösungsstrategien. Einige Defizite bilden sich unter Abstinenz eher langsam zurück, z. B. Störungen der Aneignung neuer Fähigkeiten, andere rascher. Patienten mit ausgeprägten Störungen haben eine schlechtere Prognose bezüglich des Behandlungserfolges. Hirnorganische Störungen haben auch eine wichtige Bedeutung für die Fahrtauglichkeit und Arbeits- bzw. Berufsfähigkeit Alkoholabhängiger.

Wernicke-Korsakow-Syndrom

1881 beschrieb Carl Wernicke ein Krankheitsbild von Alkoholkranken, bei denen er eine Gangstörung, Augenmuskellähmungen und eine Bewusstseinsstörung feststellte. 1887 beschrieb der russische Psychiater Korsakow Patienten mit einem Verwirrtheitszustand, Gedächtnisverlust, Konzentrationsstörungen und anderen psychischen Auffälligkeiten sowie Sprachstörungen. Beide Krankheiten scheinen eine gemeinsame Ursache zu haben, daher wurden sie zu einem Syndrom zusammengefasst. Für die Entstehung ist ein Mangel an Vitamin B1 von großer Bedeutung. Es kommt zu einem schweren Hirnschaden. Überwiegend betroffen sind Männer zwischen 50 und 70 Jahren. 5 bis 10% aller Alkoholkranken sind betroffen. Wenn die Erkrankung nicht allzu schwer verläuft, kann der Betroffene noch sozialtherapeutisch behandelt werden.

Die Hepatische Enzephalopathie

beinhaltet psychische und neurologische Auffälligkeiten bei Patienten mit Lebererkrankungen. Dabei kommt der Leberzirrhose die entscheidende Bedeutung zu. Es wird eine akute Form von einer chronischen Form unterschieden. Bei der akuten Form kommt es rasch zu einer Bewusstseinsstörung mit Unruhe, Benommenheit bis zur tiefen Bewusstlosigkeit, Krampfanfällen u.a. Sie kann zum Tode führen. Die schleichend verlaufende chronische Form geht mit verschiedenen Beschwerden einher, Tremor, Gangstörungen, Sprachstörungen, Beeinträchtigungen der Konzentration, des Gedächtnisses, geringe Belastbarkeit u.a. Die Störungen sind prinzipiell rückbildungsfähig. Mitverursachend für die Erkrankung ist ein erhöhter Ammoniakgehalt im Blut. Ammoniak entsteht beim Abbau von Eiweiß, gelangt ins Gehirn und wirkt dort als Gift. Die Therapie strebt eine Verminderung des Ammoniakgehaltes im Blut durch eiweißarme Kost und bestimmte Medikamente an.